Großmutter

In der Küche riecht es immer noch nach dir, ein leerer Stuhl, ein Staubkorn auf dem Klavier. Du hast Steine geschleppt, als das Land in Trümmern lag, hast die Welt neu erfunden, Tag für Tag. Für dich war "genug" schon ein großes Wort, du hast den Schatten gejagt und das Dunkle fort. Und deine Hand auf meiner Schulter war immer da, doch ich war weit weg, auch wenn ich neben dir saß.
Du fragtest: „Hast du gegessen?“, „Ist dir auch nicht kalt?“ Ich rollte mit den Augen, fand dich einfach nur alt. Ich sah die Fürsorge nicht, ich sah nur die Pflicht, heute such ich verzweifelt nach deinem Gesicht.
Ich hab deine Liebe genommen, wie die Luft, die ich atme, hab nie begriffen, dass ich auf ein Wunder warte. Du warst der Anker, das Licht in der Nacht, ich hab dein „Ich hab dich lieb“ einfach weggelacht. Jetzt brennt die Reue wie Feuer im Schnee, weil ich erst heute, wo du weg bist, versteh: Dass ich dich liebte – doch ich sag’s dir zu spät. Viel zu spät.
Du hast Deutschland aufgebaut mit bloßen Händen, hast Hoffnung gemalt auf die grauesten Wände. Deine Angst um mich war dein stilles Gebet, ein Schutzwall aus Liebe, der heute noch steht. Ich war zu stolz oder einfach zu blind, war gegen deine Wärme nur eisiger Wind. Du hast nie viel verlangt, nur ein bisschen Zeit, doch ich hatte für uns keine Stunde befreit.
Könnte ich die Uhr nur eine Drehung zurückdrehn, würde ich vor deiner Tür im Regen stehn. Ich würde deine Hände halten, die so viel getan, und fange ganz einfach zu danken an. Nur einmal noch hören, wie du meinen Namen sagst, bevor du mich wieder nach meiner Jacke fragst.
Ich hab deine Liebe genommen, wie die Luft, die ich atme, hab nie begriffen, dass ich auf ein Wunder warte. Du warst der Anker, das Licht in der Nacht, ich hab dein „Ich hab dich lieb“ einfach weggelacht. Jetzt brennt die Reue wie Feuer im Schnee, weil ich erst heute, wo du weg bist, versteh: Dass ich dich liebte – doch ich sag’s dir zu spät. Viel zu spät...
Du fehlst mir. Danke für alles.